Gaslicht Durchgeblättert

Es ist kein Geheimnis, dass ein großer Teil von unserem Cthulhus Ruf-Team auch am kürzlich erschienenen Band Cthulhu Gaslicht mitgearbeitet haben. Bisher gab es allerdings kaum hilfreiche Rezensionen, die einen guten Einblick in das Buch gegeben hätten.

Damit ist jetzt zum Glück Schluss: Purpletntcl rezensiert auf Durchgeblättert den Gaslicht-Band mit einem ausführlichen Videobeitrag! Dichter kommt ihr nicht dran ohne es zu kaufen – was wir euch natürlich ans Herzen legen wollen!

Aber jetzt hat erstmal der behandschuhte Rezensent das Wort:

Neuer Dreamlands-Trailer

Der neue Trailer für den kommenden Lovecraft-Film The Dreamlands ist da – und er ist stattliche 6 Minuten lang!

Damit wir dieses Stück Mythos jedoch wirklich zu sehen bekommen, fehlen noch ein paar Pledges. Also schaut rein und unterstützt das Projekt – es gibt auch sehr coole Perks!

HIER geht es zum Crowdfunding auf Indiegogo.

2 Support-Abenteuer gratis!

Pegasus stellt zwei kurze Abenteuer, die für das Cthulhu-Supportteam geschrieben wurden, kostenlos zum Download zu Verfügung. Sicher hat der ein oder andere von euch sie auch schon auf einer Con erlebt! Dabei handelt es sich um:

NACHTEXPRESS (von Christoph Maser)
Die Isolation einer nächtlichen Fahrt in den luxuriösen Waggons eines Expresszuges führt zu bemerkenswerten Begegnungen und unverhofften Herausforderungen. Vom opulenten Abendessen über die Darbietungen eines begnadeten Pianisten bis hin zu unverhofftem Besuch von „sehr weit her“ bietet dieses Abenteuer ein abwechslungsreiches Begleitprogramm für Reisende der gehobenen Klasse. Routenänderung inbegriffen …

DER PREUSSE (von Stefan Droste)
Dieses kurze Abenteuer entstand speziell für die Verwendung auf Conventions flankierend zur Veröffentlichung von Die Janus-Gesellschaft – dem Quellenband, der es Charakteren ermöglicht, Mitglieder dieser Geheimgesellschaft zu werden und als solche Abenteuer zu erleben. Hier werden die Charaktere im Auftrage der Janus-Gesellschaft mit übernatürlichen Schrecken konfrontiert, die auf die Revolution in Deutschland im Jahre 1848 zurückgeht.

Beide Szenarien sind für die 1920er in Deutschland und können innerhalb weniger Stunden gespielt werden. Unsere Empfehlung für kurze Spielabende und (nicht nur) für Einsteiger!

P.S.: Wer es verpasst hat – auch die Grundregelwerke gibt es ebenfalls kostenlos zum Download.

Traumhaftes Crowdfunding

Im Moment kann man sich wahrlich nicht beklagen, was cthuloides Crowdfunding betrifft! Hier nur die zwei Dinge, die ihr sicher schon alle gesehen habt – die ihr aber auf jeden Fall unterstützen solltet, sofern noch nicht geschehen.

Berge des Wahnsinns

Auf http://www.startnext.de/berge-des-wahnsinns kann man bei der Neuveröffentlichung der vergriffenen 3-teiligen Kampagne um die unglückselige Starkweather-Moore-Antarktisexpedition teilnehmen und je nach Höhe der Unterstützung vielleicht sogar den ledergebundenen Folianten oder viele andere Goodies erstehen.

Die Traumlande

Sowohl über Crowdfunding wie Crowdinvestment versuchen Huan Vu, der Regisseur von “Die Farbe”, eine Verfilmung von Lovecrafts Dreamlands-Zyklus auf die Beine zu stellen. Das ganze wird professionell aufgezogen und soll von einigen internationale Schauspieler getragen werden. Auch hier könnt ihr für euren Pledge natürlich verschiedene faszinierende Goodies bekommen oder beim Crowdinvestment sogar Teilhaber des Films werden. Ein großartiges Projekt, dass wir von ganzem Herzen unterstützen und euch alle bitten wollen, dasselbe zu tun!

https://www.indiegogo.com/projects/the-dreamlands-h-p-lovecrafts-dream-cycle
http://www.the-dreamlands.com/home/investing/

DreamlandsGoomi

 

Fremde Gesellschaft

Im Hause An Pervere hat man ein Herz für alle Freunde schauriger Kurzgeschichten und dank dieses Umstands können wir euch an diesem Montag einen neuen Beitrag zur Edition Cthulhus Ruf präsentieren. Wir wünschen viel Vergnügen!

Fremde Gesellschaft

Fahrtwind im Haar, endlich Bewegung. Aus der schweren Umarmung Allergie-induzierten Schlafs gelöst, begibt sich der Großstadtmensch auf die Jagd nach den letzten Brötchen. Mit einem Ruck kommt das Fahrrad wegen genommener Vorfahrt am Straßeneck zum Stillstand. Eine umher taumelnde Taube schüttelt nach einem Satz zurück protestierend den Kopf. Dann beginnt sie zu bellen und die Realitätshorizonte brechen einmal mehr zusammen. Er tritt aus, die Taube sucht ihr Heil in der Flucht und findet den Tod durch Genickbruch am Glasbau gegenüber. Was bellt sie auch? Zurück auf das Fahrrad. Ankunft wenige Minuten später vor verschlossenen Türen. Es ist Sonntagnachmittag – natürlich. Er greift sein Fahrrad an den Lenkern und schiebt es die leere Straße hinunter. Kaum eine Menschenseele unterwegs am gottgeweihten Tag. Eine Zigarette später scheint Klarheit unaufhaltsam zurückzukehren. Ungeordnete Gedankenfetzen tanzen sich in geometrische Ordnungsverhältnisse ein oder verblassen Zug um Zug. Erst ein, dann viele Tropfen beginnen hell- zu dunkelgrauem Beton umzufärben, Muster dichter Nässe zu zeichnen. Er lässt das Wetter gewähren, seine Turnschuhe beginnen nach wenigen Minuten, schlürfendes Quietschen von sich zu geben, während er das vom warmen Regen schwere braune Haar immer wieder aus dem Sichtfeld schieben muss. Warum so viel über nasse Hunde geschimpft wird? Ein Rätsel, stinken doch Menschen meist genauso. Er kann den schweren Rauch und Schweiß der Nacht in seiner Kleidung riechen. Bei einer weiteren Straßenkreuzung hin zu einer am Hang abfallenden Straße bleibt er stehen und sieht sich um. Ein unruhiger Schleier aus dicken Regentropfen erschwert die Sicht. Am Ende der Straße kann er vor dem saftigen Grün des Parkeingangs dunkle Schemen erkennen. Eine noble Gesellschaft versucht sich aus einer Schlange von Automobilen in das Trockene zu retten. Wer keinen Schirm hat, behilft sich mit der Tageszeitung, die wahlweise sich selbst oder der begleitenden Dame im Abendkleid ohne erkennbaren Erfolg über den Kopf gehalten wird. Mittlerweile völlig getränkt, entlockt ihm dieses alberne Bemühen das erste Lächeln des Tages. Wie fantastisch sie nun wohl aussehen werden bei Kaviarbrot, Wachteleiern, Hummersuppe: Zerstörte, aufgelöste Frisuren, fleckige smaragdgrüne Kleider und weiße Hemden, die sich wie boshafte durchsichtige Haftminen an Speckrollen klammern.

Es vergehen drei, vielleicht vier Minuten, bis das letzte Auto seine Insassen ausspeit und abfährt. Warum nicht einen Blick riskieren? Voller Häme zieht er sein Fahrrad in die Richtung dieser vom Regen zerstäubten Prozession, bis er vor einem großen Bau halt macht. Das Gebäude ist ungewöhnlich geschnitten, läuft es doch in Richtung Park spitz zu und scheint den Grundriss eines großen gleichwinkligen Dreiecks zu haben. Im mit bunten Blumenbeeten verzierten Garten stehen mehrere vom sauren Regen völlig verätzte Stelen in kleinen Gruppen umher, zeigen nunmehr unleserliche Inschriften und grotesk verunstaltete Figuren. Schmuckstücke für eitle Gesellschafter, die sich und ihr zerstörtes Äußeres hinter verschlossenen Jalousien verstecken. Enttäuscht wendet er sich ab und konzentriert sich auf das Quietschen der Turnschuhe, die in kleinen Schlaglochpfützen bei jedem zweiten Schritt abtauchen. Plötzlich Kollision. Er zuckt zurück, stolpert, das Fahrrad fällt unter lautem Scheppern in ein Auto am Straßenrand. Er hinterher. An ihm vorbei huscht eine bucklige Gestalt im Smoking, die leichtfüßig um die Pfützen herumnavigiert. Der Regen macht ihr scheinbar nichts aus. “Hey, halten sie mal an, sie Arschloch! Das ist ein Versicherungsfall!”, bellt er der buckligen Erscheinung hinterher, die ungerührt im Hauseingang verschwindet. Langsam richtet er sich auf, den Blick starr auf das Haus gerichtet. Erst dann inspiziert er das zum Glück nur am Lack beschädigte Auto. Quiekend springt er zurück, als sich unerwartet ein grinsendes Gesicht an die Scheibe presst und mit drei Schlägen klopft. Unter Surren fährt das Fenster herunter: “Ne vous faites pas de mauvais sang! C’est le cadet de mes soucis!”. Die Stimme des runden Männergesichts ist von geschlechtsloser Schönheit, und, auch wenn er kein Wort Französisch versteht, irgendwie beruhigend. “Haben sie das auch gesehen? Also meine Schuld war es höchstens zum Teil, der Herr da…” Während er wild gestikulierend seine Sicht der Dinge zu erklären versucht, dreht sich das Männergesicht wieder ab. Das Fenster fährt hoch, das Innere der Fahrerkabine verliert sich in Dunkelheit.

“Dann halt nicht”. Pflicht erledigt. Wer nicht will, hat schon. Er steigt auf sein Fahrrad, die vollgesogene Kleidung hängt schwer an seinen nassen Knochen. Kalter Rauch. Unaufhaltsam drängt sich der abgestandene Geruch des Gestern in sein Bewusstsein. Übelkeit droht, ihn zu übermannen. Nur nach Hause. Er fährt los, doch nicht ohne einen letzten Blick auf das merkwürdige dreieckige Haus zu verwerfen. Ein weiterer Einschlag reißt ihn vom Fahrrad. Das letzte Bild: die auf ihn zurasende Glaswand des großen Bürokomplexes.

© Andreas Plöger 2014

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Und, selbst Lust bekommen eine eigene Kurzgeschichte zu veröffentlichen? Schreib uns: redaktion [at] cthulhus-ruf.de